Titelbild Regalupcycling

Vom Findling zum Lieblingsregal

Wenn ich etwas nicht leiden kann, sind das ungenutzte Ecken und Flächen. Das heißt nicht, dass ich alles immer vollstellen muss aber das Verschwenden von Raum ist so gar nicht mein Ding. Das kann daran liegen, dass ich von klein auf immer durch kleine Räume, meistens mit Schrägen, gefordert worden bin. Es macht mir Spaß auch unter schwierigsten Bedingungen Stauraum und Dekomöglichkeiten zu schaffen. Inzwischen wohnen wir in einem großen Haus und eigentlich ist Platz genug da. Trotzdem kann ich es nicht lassen und muss tote Ecken in nutzbaren Raum umwandeln. So wie in unserer Küche. Die Wand gleich neben der Tür rief mir fast täglich zu „Mach was mit mir!“ Ich hängte eine Pinnwand an die Stelle, die schnell unter einem Wust aus Zettelchen verschwand. Schön war irgendwie anders …

Glücksfund auf dem Trödel

zerlegtAuf dem letzten Flohmarkt in 2015 lief mir dann die Lösung über den Weg. An einem Stand fand ich ein altes Ikea-Regal, das ich schon immer im Auge hatte, was mir aber direkt im Möbelhaus zu teuer gewesen war. Allein das Schubladenelement wird mometan gebraucht mit 70 € gehandelt! Dem Teil fehlte die Glasscheibe und auch der Einlegeboden war nicht mehr da, aber egal: Für 4 Euro nahm ich es mit!

Zuhause angekommen hingen wir das Regal an die Wand und ließen uns im Baumarkt ein Regalbrett zusägen. Doch irgendwie  richtig zufrieden war ich immer noch nicht. Der Kiefernton mochte so gar nicht zu dem Holz der restlichen Küche passen. Auch wirkte das Ganze ziemlich unruhig (ein Einwand, dem besonders mein Männe Nachdruck verlieh). Da wir aber schon Herbst hatten und ich genug andere Dinge auf dem Zettel, blieb das Regal zunächst so, wie es war. Bis zum Frühling und dem ersten richtig warmen Wochenende im April.

Schmirgeln, beizen, kleben

HowtoIch schmiss mich in meine Malerklamotten, holte das Regal von der Wand und legte los! … Nagut, zuerst schmirgelte ich mir im schönstem Sonnenschein ca 2 Stunden einen Wolf. Nach diversen Abschürfungen und einer Staublunge war dann alles soweit fertig, dass ich mit dem spaßigen Teil der Arbeit loslegen konnte – dem Anmalen. Ich hatte mich für eine weiße Holzbeize entschieden, da ich den natürlichen Look nicht völlig unter Lack verschwinden lassen wollte.

Ich pinselte, pinselte und pinselte, bis alles eine schöne, leicht shabby wirkende, weiße Patina hatte. Summasumarum war ich insgesamt fünf Stunden, inklusive schleifen und streichen, beschäftigt. Damit war das Projekt aber noch nicht abgeschlossen. Ich hatte mir überlegt, die Rückwand mit einem passenden Geschenkpapier auszukleiden. In Ermangelung von Sprühkleber (sonntags hat leider kein Baumarkt mehr auf) griff ich zum Klassiker: Uhu Bastelkleber. Diesen strich ich mit einem Pinsel dünn auf die Rückwand und passte  das zugeschnittene Papier ein. Keine leichte Aufgabe, die dazu noch flott erledigt werden musste, denn der Kleber trocknet wahnsinnig schnell! Leider war ich nicht schnell genug, sodass sich ein paar Bläschen bildeten. Diese konnte ich durch anpicksen weitestgehend beseitigen, sodass die Dellen nur noch dem auffallen, der weis, wo sie sind. Vielleicht starte ich demnächst noch mal einen neuen Versuch mit der Rückwand, dann aber mit Sprühkleber 😉

Ganz

Tipps und Tricks

    • Schmirgeln nervt, ist aber wichtig! Sind Stellen nicht ordentlich aufgeraut, wird die Beize nicht richtig aufgenommen und ihr erhaltet ungefärbte Flecken.
    • Zum Beizen der Oberfläche habe ich die Holzbeize von Aqua Clou Nr 2537 weiß aus dem Baumarkt verwendet. Um den Ton wie auf den Bildern zu erreichen, muss man bis zu fünf Mal überbeizen.
    • Beim Verteilen der Beize immer in verschiedene Richtungen arbeiten (quer, längs, quer, …) zum Schluss in die Richtung verstreichen in die die Maserung verläuft
    • Nicht zu schnell arbeiten! Man sollte die übrig gebliebene Farbe zwar nach ca einer Minute verstreichen, doch dann bitte nicht gleich sofort die nächste Schicht drauf klatschen. Lieber ein paar Mal öfter verstreichen und warten, bis alles eingezogen ist. Sonst bekommt ihr Streifen und geflatschte Stellen an den Rändern.
    • Wer Dinge auf den Flächen abstellen will, die evtl. färben oder Feuchtigkeit abgeben könnten, lackiert das Ganze nach 12 Stunden Trocknungszeit noch einmal mit Holzlack über.
    • Das Papier für die Rückwand muss ganz exakt zugeschnitten werden. Lieber einen Millimeter zugeben als zu wenig. Diesen kann man zur Not in die Ecken drücken. Ihr habt weniger Probleme, mit dem Einkleben, wenn ihr das Papier zuerst plättet. So rollt es sich nicht immer auf und läuft nicht Gefahr mit der Vorderseite im Kleber zu landen
    • Vor dem Aufhängen von hinten mit einer Nadel die Bohrlöcher ins Papier piken. Dann vorsichtig von vorne die Schraube eindrehen, damit das Papier nicht reißt. Die Schraubenköpfe kann man mit solchen Kreuzschlitz Abdeckkappen kaschieren. Alternativ den Schraubenkopf vorsichtig mit einer zum Papier passenden Plakafarbe abtupfen.

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7 Gedanken zu „Vom Findling zum Lieblingsregal

    • Daniela sagt:

      Merk ich mir fürs nächste Mal. Aber wehe einer meckert, wenn ich abends um 20:30 wegen Bastelkrams durchklingel 😉

  1. Dani sagt:

    Liebe Daniela,
    das ist wahnsinnig schön geworden! Ich wußte gar nicht, dass man das Regal so toll herrichten kann.
    Super Sache und bei meinem nächsten Flohmarktbummel halte ich bestimmt mal Ausschau nach solch einem schönen Fund 😉
    Herzliche Grüße,
    die Dani

    • Daniela sagt:

      Hallo Dani,
      Danke dir! Freu mich, dass es dir gefällt 🙂 Habe heute erfahren, dass mein Lieblingsflohmarkt am Sonntag wieder eröffnet. Die Zeit der Schatzsuche ich eröffnet! Drücke dir die Daumen, dass du auch ein paar findest 😉

  2. Christiane Harsleben-Meinecke sagt:

    Ich bin auch ganz begeistert, allerdings war ich über die Sache mit dem 5 mal überbeizen etwas irritiert. Ich habe für meinen großen Gartentisch und die dazu gehörende Bank einfach Matt-Lack genommen und habe dann, kurz vor dem Austrocknen mit feinem Schleifpapier überschmirgelt. Damit hatte ich denselben Effekt mit nur einem Streichgang.

    Unabhängig davon finde ich das Regal sensationell schön, auch die Rückwand-Idee mut Geschenkpapier ist sensationell. Vielen Dank für diese tollen, kreativen Ideen.
    Herzliche Grüße
    Christiane

    • Daniela sagt:

      Das mit dem 5 Mal beizen war wohl die Wahl der Mittel. Ich habe diese Beize benutzt, weil ein befreundeter Schreiner irgendwann mal einen Badezimmerschrank in der Art gestaltet hat. Eine andere Methode zu versuchen, kam mir da nicht in den Sinn. Wenn ich allerdings mal wieder ein Projekt in der Art habe, probiere ich deine Variante aus 🙂

      • Christiane Harsleben-Meinecke sagt:

        Das wäre schön, denn Du sparst Dir viel Zeit, und das Ergebnis wird mindestens ebenso gut.
        Aber Du bist schon spitze, mit dem was Du alles machst.
        Meine Kräuterschnecke, die 3,50 x 3,50m groß ist, und mindestens 120 cm hoch war, ist inzwischen, wir haben sie vor 6 Jahren angelegt, völlig flach geworden.
        Der Regen, die Witterung haben im Laufe der Jahre die Erde abgeschwemmt, und die Randsteine an den Stufen haben es nicht aufhalten können. So müssen wir im kommenden Frühling die ganze Kräuterschnecke neu anlegen. Und einen Rrick finden, wie Witterung, also Wind und Regen die Erde der Stufen nicht mehr wegschwemmen können. Hast Du da eine Idee, vielleicht.

        Liebe Grüße
        Christiane

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